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NBA wetten: Die Cavaliers marschieren

US Sport RSS / Bodo Braunmühl / 19 Mai 2009 / Kommentar schreiben

Vier Teams machen das Meisterschaftsrennen der NBA unter sich aus: L.A. Lakers, Orlando Magic, Denver Nuggets und die Cleveland Cavaliers. Wir nehmen den heißesten Anwärter auf den Titel unter die Lupe: Die Cavs unter Führung von "King James".

Jedes NBA-Team hat in den Playoffs 2009 schon Dramen, Rückschläge und Niederlagen erlitten. Selbst die L.A. Lakers mussten bereits vier Niederlagen hinnehmen und gegen Houston die volle Strecke von sieben Spielen bestreiten. Nur bei den Cleveland Cavaliers war alles anders. Keine dramatischen Spiele, die erst in letzter Sekunde entschieden wurden. Keine Niederlagen durch Verletzungen oder gesperrte Spieler. Kein verstecktes Foul. Nichts.

Die größte Widrigkeit in den acht bisherigen Playoff-Spielen der Cavs war ihr Rückstand zu Beginn des letzten Viertel im 3. Spiel in Detroit. Dieser Rückstand hielt 19 Sekunden, dann hatten die Cavaliers wieder alles im Griff. Im dritten Spiel in Atlanta gab es die beste Playoff-Leistung eines Cav-Gegners bislang zu sehen. Trotzdem gewannen die Cavs diese Partie mit 15 Punkten. Spiel 4 in Atlanta war das schlechteste Spiel der Cavs, und sie gewannen es trotzdem mit 10 Punkten.

Orlando verlor in den Playoffs bislang fünf Partien, die Lakers verloren vier Spiele und die Denver Nuggets zwei Duelle. Nur die Cavs haben zwei "Straight Sweeps" hingelegt, zwei Serien mit 4:0 Siegen. Das letzte Team mit dieser Leistung war Miami Heat 2005. In den gesamten Playoffs 2008 hat es nur einen einzigen Sweep gegeben.

Waren die Pistons das schlechteste Team der Playoffs? Ja. Waren die Hawks das schlechteste Team im Conference Halbfinale? Absolut. Wurden beide Teams von den Cavaliers auseinander genommen? Auf jeden Fall. Aber heißt dies zwangsläufig, dass die Cavs aktuell das beste Team der Liga sind?

LeBron James ist hoch verdient zum MVP gewählt worden, aber die Regular Season war vielleicht nur ein Vorgeschmack der Dominanz des 24jährigen. Er ist der beste Scorer mit 32.9 Punkten pro Spiel, dazu kommen 9.8 Rebounds, 6.8 Assists und zwei Steals. Er ist zum Führungsspieler geworden und kann ein Spiel lesen. Auch wenn sich die Cavs in der Atlanta-Series zu stark auf LeBron verlassen haben, so haben sie auch gut ausgesehen, wenn er auf der Bank saß. In fünf von acht Spielen haben sie mehr Punkte als der Gegner erzielt, als „King James" sich zu Beginn des zweiten Viertels ausgeruht hat. Wenn ein Gegner kein Kapital aus den Ruhepausen von James schlagen kann, ist es kaum möglich, Cleveland zu schlagen.

Ein James allein wird zum Titel nicht reichen, dies haben die letzten Jahre bewiesen. Doch 2009 präsentieren sich auch seine Mitspieler in Höchstform. Der treffsichere Guard Mo Williams, der strategische Litauer Zydrunas Ilgauskas, der dynamische Delonte West oder der brasilianische Kämpfer Anderson Varejao.

Abseits des Feldes wirken die Cavs oft wie eine herumalbernde Truppe von übermütigen College-Sportlern. Die herausragende Leistung der Cavs in den vergangenen acht Spielen aber war ihre absolute Fokussiertheit auf dem Platz. Obwohl sie ihre Gegner zu jeder Zeit klar beherrschten, haben sie nie ihre Konzentration verloren. Nur in der Offensive offenbaren sie zuweilen kleine Schwachstellen. In manchen Phasen wirkten sie etwas unbeweglich, wenn James seine One-Man-Show gab und seine Mannschaftskameraden ehrfurchtsvoll schauten und staunten. Aber dies ist schon eine recht strenge Beurteilung, denn bislang sind nur die Denver Nuggets noch effektiver in der Playoff-Offensive: Wenn die Nuggets hundert Mal im Ballbesitz sind, erzielen sie 121 Punkte, die Cavaliers nur 116 und die Lakers 114. Ihre wahre Dominanz spielen die Cavaliers in der Defensive aus, wo sie NBA-Bestwerte aufweisen: Sie lassen nur 95 Punkte bei hundert Angriffen der Gegner zu. Zum Vergleich: die Lakers kommen auf 107. Ein enormer Unterschied.

Die Cavs werden gegen Orlando Magic auf heftigen Widerstand treffen. Ein dritter Sweep wird ihnen nicht gelingen. Orlando hat Cleveland in der Regular Season zweimal geschlagen, und das Team ist defensiv viel stärker als Detroit oder Atlanta. Aber gleichzeitig war Orlando auch viel verwundbarer als Cleveland in der Postseason, dasselbe gilt für die Lakers. Jedes Team müsste mindestens ein Spiel in der Quicken Loans Arena in Cleveland gewinnen, um die Cavs zu eliminieren. Cleveland hat seine vier Heimspiele in den Playoffs mit einem Vorsprung von durchschnittlich 19.3 Punkten gewonnen. Sie haben eine imponierende Heimbilanz von 43 Siegen und nur 2 Niederlagen seit Saisonbeginn. Für die Cavs ist ihre Halle eine echte Festung - und es wird für jedes Team ein echtes Stück Arbeit, in Cleveland zu gewinnen.

Für Cleveland hat Basketball eine ähnliche Bedeutung wie für Gelsenkirchen der Fußball. Die Arbeiterstadt in Ohio sehnt sich nach Erfolgsgeschichten. Ganz Amerika würde den Cavs den Titel gönnen, denn sie spielen spektakulären Spaß-Basketball. Ich lege mich fest, nicht nur aus Sympathie: LeBron James wird die Cavs zum ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte führen.

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