Sports
Analyse Benjamin Becker - Nikolay Davydenko
24 Juni 2008 | |
oder: der Wimbledon-Dramatiker gegen den Rasenhasser
1. Der Belag
Wenn Benjamin „Benny" Becker bei seiner aktuell sehr schwachen Form noch etwas wie einen bevorzugten Belag hat, dann sind das sicherlich schnelle Courts, auf dem die Form nicht alles entscheidet. Er hat einen soliden Aufschlag, der ihm viele freie Punkte bringt und mit dem er in Halle zuletzt immerhin James Blake am Rande einer Niederlage hatte. Auch sein Spiel am Netz ist nicht das schlechteste auf der ATP Tour. Seine Rasenbilanz von 15-8 zeigt das auch. Allerdings waren viele Spiele bei eher kleineren Turnieren, beispielsweise in s'Hertogenbosch. In Wimbledon hat er noch nicht allzu viele Spiele absolviert. Wenn, dann wurde es aber dramatisch (siehe Punkt 3).
Nikolay Davydenko hasst den Rasenbelag. Es dürfte lange keine Nummer 4 der Welt mehr geben haben, die so schlecht auf dem grünen Untergrund zurechtkommt. Einzige Ausnahme war da bisher das Wimbledon-Turnier aus dem vergangenen Jahr, wo er überraschenderweise das Achtelfinale erreichen konnte. Seine Karrierebilanz auf Rasen(5-13) zeigt aber, dass das bisher ein einmaliger positiver Ausrutscher war.
2. Die Spieler
Die Formunterschiede könnten kaum größer sein. Das zeigt auch der Weltranglistenplatz: Hier spielt die Nummer 116 gegen die Nummer 4 der Welt. Doch der Belag kann hier einiges von diesem Leistungsunterschied wettmachen, auch wenn Benny Becker weit von der Form aus den Jahren 2006/2007 entfernt ist, wo er sich in die TOP 50 spielen konnte und Andre Agassi seine letzte Niederlage bei den US Open beigebracht hat. Dieses Jahr konnte er bisher lediglich zwei Mal das Viertelfinale bei kleineren ATP-Turnieren erreichen. Selbst auf Rasen unterlag er eher mittelmäßigen Rasenspielern wie Arnaud Clement.
Die Form von Nikolay Davydenko ist exzellent. Allerdings nicht auf Rasen. Er konnte vorletzte Woche noch das Turnier von Warschau auf Sand gewinnen. Auch ein Masters Series Event konnte er dieses Jahr schon für sich verbuchen (in Miami auf Hardcourt). Er ist der Vielspieler der Tour und bringt es bereits zur Jahreshälfte auf eine Bilanz von 41-10. Beeindruckend. Allerdings nicht auf Rasen. Wird er die Form einfach mitnehmen können und vergessen, dass ihm das Spiel der kurzen Ballwechsel und starken Aufschläge nicht liegt? Letztes Jahr konnte er das für einige Runden, schafft er es auch dieses Jahr?
3. Das Turnier
Becker hat bisher erst drei Spiele in Wimbledon bestritten. Zwei davon sahen so aus:
2007 - 1.Runde gegen Juan Ignacio Chela: 6:3, 6:4, 4:6, 4:6, 8:10
2006 - 2.Runde gegen Fernando Verdasco 4:6, 7:6, 6:4, 3:6, 7:9
In beiden Spielen lag er schon in Sätzen vorne, um dann auf dramatische Weise in der Verlängerung des 5.Satzes zu verlieren. Wiederholt sich diese Geschichte gegen Davydenko?
Davydenko erinnert sich gerne an das letzte Jahr, wo er immerhin das Achtelfinale erreichen konnte und gute Aufschläger wie Guccione und Monfils schlagen konnte. In den Jahren zuvor standen allerdings Erstrundenniederlagen an der Tagesordnung, und das gegen Nobodys wie Lee Childs oder Alejandro Falla.
4. Head-to-head
Es ist das erste Duell der beiden.
5. Fazit
Die Trader bei Betfair sind sich einig. Nikolay Davydenko ist klarer Favorit, obwohl ihm das Rasenspiel nicht liegt. Wird sein Achtelfinaleinzug aus dem letzten Jahr überbewertet oder ist Becker einfach zu formschwach, um dem Russen gefährlich werden zu können? Wer 10 Euro auf Davydenko setzt, erhält ungefähr 12,50 Euro zurück. Für einen 3:0-Satzsieg erhält man immerhin mehr als das doppelte. Oder eben doch der Außenseitersieg, mit dem man das Fünffache seines Einsatzes gewinnen kann. Man könnte das Spiel morgen auch einfach auf folgende Frage verkürzen: Was zählt mehr - die Form oder der Belag?
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