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Deutsche Pferde beim Cheltenham-Festival

10 März 2008 | About Ralf Morscheid |

Lohnt es sich deutsche Pferde beim Cheltenham-Festival zu wetten?

Wer sich mit dem National Hunt Sport und somit auch mit Cheltenham befasst, dem ist fraglos bewusst, dass aus Deutschland stammende Pferde seit Jahren in England und Irland sehr erfolgreich agieren.
Los ging der Export im Herbst 1998 mit dem Schimmel Auetaler, der bis vor kurzem übrigens gelegentlich noch Rennen bestritt. Hunderte von Pferden folgten ihm, und jede Saison werden es mehr. Siege in großen Rennen waren in den letzten Jahren keine Seltenheit. Wäre er nicht verletzt, wäre der Ex-Deutsche Well Chief zum Beispiel wie 2007 Favorit in der berühmten Queen Mother Champion Chase. Und das sind nur richtig gute Pferde.
Doch auch ohne ihn werden zahlreiche Ex-Deutsche beim Festival antreten. Die Frage ist jedoch, ob sich das Wetten lohnt.

Wir haben uns einmal die Ergebnisse der letzten Jahre angeschaut. 2005, 2006 und 2007 haben jeweils vier Ex-Deutsche an den vier Renntagen (= ca. 24 Rennen) Geld verdient - und zwar in den seltensten Fällen als Favoriten. Also waren ihre Quoten lohnend.
Siege gab es in diesem Zeitraum nur einen, nämlich durch den jetzt in Irland vorbereiteten Sky's The Limit, der ohnehin als Franzose gilt, obwohl er früher im deutschen Besitz stand und eine deutsche Mutter hat. Er dürfte auch 2008 in Cheltenham antreten, hat bisher eine richtig gute Saison mit mehreren Siegen. Die Platzierungen der Ex-Deutschen gab es sogar auf höchster Ebene.

2005 zum Beispiel durch den erwähnten Well Chief in der Queen Mother Champion Chase. 2006 durch Foreman und Fair Along. Dieser, gezüchtet im Gestüt Harzburg, war auch 2007 Zweiter in einem Gruppe-I-Rennen und wird, wie die letztes Jahr den ebenfalls platzierten Catch me und Air Force One, auch diesmal wieder in Cheltenham antreten, wie zu hören war. Und zwar mit aktuell guten Formen.

Es würde fraglos nicht verwundern, wenn auch 2008 über Erfolge deutscher Pferde in Cheltenham zu berichten wäre. Es wird natürlich kaum lohnend sein, alle Ex-Deutschen „blind" zu wetten, aber vorab eine kleine Auswahl zu treffen, dürfte sich positiv auswirken. Bereits am Eröffnungstag, dem 11.März, ist mit den Starts einiger Ex-Deutscher zu rechnen.
Einige Pferde haben im Vorfeld sogar Nennungen für mehrere Rennen bekommen. Im Anglo Irish Bank Supreme Novices' Hurdle der Gruppe I, sozusagen dem Derby für die Nachwuchshürdler, befinden sich aktuell sage und schreibe zehn Ex-Deutsche im Aufgebot. Von diesen könnten Lightning Strike, Laredo Sound oder für eine hohe Quote Antipode (wird in Irland trainiert) eine Wette wert sein. Da es sich um ein so genanntes Wetträtsel handeln wird (was für fast alle Rennen des Festivals gilt), werden die Quoten lohnend sein.

Im Smurfit Kappa Champion Hurdle, dem wichtigsten Hürdenrennen des Festivals, gibt es eventuell ein deutsches Element durch Aitmatov, Catch me, Jazz Messenger und Kalderon - interessanterweise werden alle in Irland trainiert und haben teils exzellente Vorleistungen, was immer einiges wert ist.

Am Mittwoch ist die Seasons Holidays Queen Mother Champion Chase das große Hauptereignis. Twist Magic gilt als Favorit und ist somit der wahrscheinlichste deutsche Treffer während der vier Tage. Denn auch wenn ein FR hinter seinem Namen steht, ist er ein Ex-Deutscher. Sein Vater Winged Love wirkte mehrere Jahre in Deutschland, seine Mutter ist Tochter des Deutschen Deckhengstes Lagunas. Und der Bruder Twist Hennes startet immer noch auf den deutschen Sandbahnen. Twist Magic wurde nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze geboren, gezüchtet vom einem Deutschen.
Er könnte auf Fair Along treffen, der hier bereits zweimal erwähnt wurde. Vielleicht gibt es ja sogar einen deutschen Einlauf.

Von größerer Bedeutung ist auch die Royal & Sunalliance Chase der Gruppe I. Air Force One, früher bei Mario Hofer, gilt sogar als Mitfavorit, auch wenn die Generalprobe nicht ganz glückte. Er steht zweifellos über Gardasee und Felix Rex.

Am Donnerstag und Freitag, also den Abschluss-Tagen des Cheltenham-Festivals, sind wieder mehrere Ex-Deutsche mehrfach genannt. Sie sind, wenn nicht alles täuscht, jedoch kaum zum Kreis der Favoriten zu zählen. Ein Pferd, das im Handicap jedoch für eine hohe Quote sorgen könnte und auch deshalb zu beachten ist, weil er in Cheltenham meistens gut abschneidet, ist der alte Caracciola, ursprünglich im Gestüt Ittlingen gezüchtet. Sein Trainer meint, dass er an einem guten Tag sogar ein großes Rennen gewinnen kann, trotz seines doch schon recht hohen Alters von elf Jahren. Ein Fall also für Risikowetter.

Das Fazit muss lauten: Wetten auf deutsche Pferde in Cheltenham können sich lohnen. Man muss jedoch eine sorgfältige Vorauswahl treffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es auch 2008 zumindest einige lohnende Platzierungen geben. Twist Magic duerfte die realistischsten Chancen auf einen Sieg haben, dann folgt Air Force One.



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