Germanys next Schumacher
Formel 1
/ Bodo Braunmühl / 24 Mai 2009 / Kommentar schreiben
Sebastian Vettel ist gerade mal 21 Jahre alt, aber er gibt schon mächtig Gas in seiner Formel 1-Karriere. Nicht nur Bernie Ecclestone feiert ihn bereits als kommenden Weltmeister. Alles sieht danach aus, dass Vettel zum nächsten Schumacher wird und die deutsche Rennsportgemeinde wieder einen neuen Helden feiern kann.
Gäbe es eine deutsche Castingshow „Germanys next Schumacher" hätten die TV-Zuschauer Sebastian Vettel zunächst sicher unterschätzt. Ein schüchterner junger Mann, der auch optisch nicht sofort im Gedächtnis bleibt. Doch mit spektakulären Siegen in Monza und Shanghai bei heftigem Regen bewies Vettel rasend schnell, dass er ganz oben mitfahren kann. Vettel ist seit dem 14. September 2008 der jüngste Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte. In dieser Saison ist er bereits der größte Konkurrent von Top-Favorit Jenson Button im Kampf um die Weltmeisterschaft. Kein Zweifel: Sebastian Vettel ist the next German Schumacher.
Wie hat es Vettel geschafft, seinen Stammplatz auf der Überholspur zu buchen? Alle schwärmen von seinem Fleiß, seiner Intelligenz, seiner Reife, seiner Entschlossenheit. Diese letzte Eigenschaft braucht er auch, schließlich ist die Formel 1 kein „Jugend forscht"-Wettbewerb. Vettel arbeitet in einer knallharten Branche, in der es um viel, viel Geld geht. Ein kompetetiver Marktplatz ohne Kuschelzone.
Fomel 1-Piloten üben einen hochkomplexen Beruf aus. Sie bedienen ein Cockpit mit ähnlich vielen Steuerungselementen wie ein Passagierflugzeug. Sie müssen ein hoch entwickeltes technisches Verständnis haben, um die Ingenieure möglichst exakt zu informieren, wie das Auto zu optimieren ist. Die Piloten müssen Strategen sein, die ihre Rennen planen wie Feldherren eine Schlacht. Die perfekte Runde im Qualifying hinzulegen verlangt völlig andere Fähigkeiten, als einen Grand Prix für sich zu entscheiden. Dazu kommen hohe mentale Ansprüche. Vettel beherrscht die gesamte Klaviatur.
Als der junge Heppenheimer vor dem Abitur stand, hatte ihn die professionelle Motorsportwelt schon voll im Griff: 2004 hat Vettel in der Formel BMW 18 von 20 Saisonrennen gewonnen. Hier lernte er die Analyse von technischen Daten, die Feinabstimmung des Fahrwerks und bekam ein spezielles Fitness-und Ernährungsprogramm. BMW hat Vettel aufgebaut, ihn aber dann doch ziehen lassen. Ein Glücksfall für Vettel, dass die Münchner sein außergewöhnliches Potenzial nicht erkannt haben. 2007 stieg Vettel bei Toro Rosso ein und traf dort auf Adrian Newey, den genialen Technischen Direktor eines hungrigen Teams. Während BMW strauchelt, fährt Vettels Red-Bull-Team vorne mit.
Für die Medien ist Vettel nicht mehr "Baby-Schumi", sondern einfach "Vettel". So sehr hat er sich aus dem Schatten des deutschen Motorsport-Giganten gefahren, dass er als eigenständiger Fahrer mit enormer Perspektive wahrgenommen wird. Die Frage scheint nicht, ob Vettel Weltmeister wird, sondern nur wann und wie oft.
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