Eine verrückte Formel1-Saison geht auf die Zielgeraden
Formel 1
/ Bodo Braunmühl / 18 Oktober 2007 / Kommentar schreiben
Noch ein Rennen ist zu fahren, dann ist die aktuelle Formel-1-Saison beendet. Lewis Hamilton führt mit nur 4 Punkten vor Alonso und 7 Punkten vor Räikkönen. Alle Fans fragen sich: Behält Hamilton im entscheidenden Rennen die Nerven?
Rückschau: Am Anfang der Saison sahen die meisten Experten in Supertalent Kimi Räikkönen im Ferrari F2007 den Top-Favoriten für den WM-Titel. Allenfalls Weltmeister Fernando Alonso im Silberpfeil könnte dem Finnen im Kampf um den Titel gefährlich werden, so die dominierende Meinung. Von Alonsos Teamkollegen Hamilton war kaum die Rede. Die Quoten auf einen Weltmeister Hamilton schwankten bei Betfair vor Saisonbeginn zwischen 20 und 40. Dann aber kam alles ganz anders, denn die jeweilige Nr. 2 der beiden Top-Teams verließ den Schatten des scheinbar übermächtigen Kollegen. Diese Entwicklung kam für Experten genauso überraschend wie für die Teams selbst. Denn plötzlich wackelte auch die teaminterne Hierarchie, was für reichlich Unruhe sorgen sollte - speziell bei McLaren Mercedes.
Bei Ferrari überzeugte in der Anfangsphase der Saison zunächst der Brasilianer Felipe Massa. Er gewann den Grand-Prix von Bahrain und von Spanien und stand plötzlich vor seinem deutlich höher gehandelten Teamkollegen. Auch wenn Massa in der Folgezeit eine Durststrecke hatte, konnte er sich noch lange Hoffnung auf den WM-Titel machen. Erst durch einen energischen Zwischenspurt schob sich Räikkönen wieder vor Massa und hat nun vor dem letzten Rennen sogar noch Chancen auf den Titel (Quoten für Räikkönen aktuell bei ca. 10).
Die Sensation der Saison aber vollzog sich bei McLaren Mercedes. Der erst 22-jährige Brite Lewis Hamilton legte das bemerkenswerteste Debüt hin, das es je in der Formel-1-Geschichte gab: In seinem ersten Jahr in der Formel-1 fuhr Hamilton in den ersten neun Rennen jeweils aufs Podium! Eine unglaubliche Leistung für einen Newcomer. Hamilton gewann bislang vier Rennen und imponiert durch seine konstanten Leistungen. Die Euphorie um den Debütanten sorgte beim britisch-deutschen Rennstall für Tobsuchtsanfälle bei Weltmeister Alonso, der sich vom Team benachteiligt fühlte. Das Konkurrenzgefühl ging so weit, dass Alonso seinen Kollegen in Belgien von der Piste drängte - ein Novum in der Formel-1. Dass es im Team noch zusätzlich weiter brodelte, dafür sorgte auch die Spionage-Affäre um interne Ferrari-Unterlagen, die das Team 100 Millionen Euro und die Punkte in der Konstrukteurswertung kostete. Es spricht für Hamilton, dass er trotz dieser enormen Unruhe und des immensen Drucks seine außerordentliche Leistung lange Zeit konservieren konnte. Nur beim Grand Prix in China verlor er die Übersicht und landete im Kiesbett. Stellt sich die Frage, ob Hamilton nun im alles entscheidenden Rennen die Nerven behält...
Nach dem Patzer von Hamilton steht jedenfalls ein dramatisches Finale bevor. Als Hamilton in China aussichtsreich in Führung lagen, sanken die Quoten bis auf 1.03. Nun aber liegen die Quoten für Hamilton bei ca. 1.48. Das Rennen am 21. Oktober in Brasilien wird entscheiden, ob Hamilton zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte wird. Der giftige Alonso (Quote ca. 4.6) wird alles tun, um dies zu verhindern. Für Spannung ist auf jeden Fall gesorgt.
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