Die Stunde Null der Formel 1-Saison
Formel 1
/ Bodo Braunmühl / 10 Mai 2009 / Kommentar schreiben
Nach vier spektakulären Rennen kommt die Formel 1 nach Europa. Hier wird sich zeigen, ob sich der Zweikampf zwischen Jenson Button (Brawn GP) und Sebastian Vettel (Red Bull) weiter zuspitzt. Ferrari, BMW-Sauber, Renault und McLaren-Mercedes aber wollen jetzt noch einmal neu angreifen. Beste Voraussetzungen also für spannende Wetten.
„Barcelona hat eine besondere Bedeutung. Wer hier stark ist, kann überall stark sein." Die Aussage von BMW-Sportchef Mario Theissen erinnert an die berühmte Liedzeile über New York: „If you can make it there, you can make it everywhere". Theissen deutet damit an, was alle Rennställe denken, die vom bisherigen Saisonverlauf enttäuscht sind: In Europa muss der Umschwung begonnen. Die Stunde Null dieser Saison.
Der Club der Enttäuschten ist voller namhafter Mitglieder: Sechs Wochen nach dem Saisonstart liegen BMW-Sauber und Ferrari mit vier und drei Punkten weit hinter Brawn GP mit 50 (!) Punkten. An Titel wird zwar kein Gedanke mehr verschwendet, aber plötzlich herrscht Aufbruchstimmung: „Nie habe ich einen solch großen Entwicklungsschritt gesehen", macht Ferraris Testfahrer Marc Gené der Scuderia neuen Mut. „Es ist der größte Fortschritt in den letzten Jahren"; meint auch Mario Almondo, der Technische Direktor des Rennstalls.
Alles anders. Alles besser?
Zwischen dem aktuellen Ferrari-Boliden und seinem Vorgängermodell vom ersten Rennen in Australien gibt es tatsächlich nicht mehr allzu viele Gemeinsamkeiten. Front- und Heckflügel sind neu. Auch die Motorabdeckung wurde verändert und ein Doppeldiffusor integriert. Dazu bekommen die Fahrer ein leichteres Monocoque. Was für ein Kraftakt in kürzester Zeit! Ross Brawn, Teamchef von Brawn JP, sieht aber auch das Risikopotential des italienischen Aktionismus: „Wer unter Zeitdruck reagieren muss, ist anfälliger für Fehler."
Auch bei BMW-Sauber bleibt kein Stein auf dem anderen. Nick Heidfeld wird in einem Auto sitzen, an dem „fast alle Teile" (Theissen) modifiziert wurden. So verzichtet BMW in Spanien auf das Energie-Rückgewinnungs-System Kers. In der Summe rechnet Theissen mit einem deutlichen Fortschritt: „Wir rechnen mit einer halben Sekunde pro Runde." Dies wäre in der Vorsaison ein Quantensprung gewesen, der BMW an die Spitze gebracht hätte. Und dies ist erst der Anfang, denn in der Optimierung der Aerodynamik liegt noch viel Potential für die zurückgefallenen Top-Teams.
Optimismus ist eine schöne Sache, am Ende aber zählen die Fakten. Das Testverbot hat dazu geführt, dass den Teams vor dem Rennen nur das Training bleibt, um die Umbauten einem ehrlichen Praxistest zu unterziehen. Die Ungewissheit steigt, und damit die Spannung. Beim Qualifying in Barcelona jedenfalls blieb zunächst alles beim Alten: Jenson Button sicherte sich die Pole vor Sebastian Vettel. Das große Duell der bisherigen Saison geht weiter.
Fazit: Red Bull bleibt zunächst der größte Konkurrent für Brawn GP. Egal wie das Rennen in Barcelona ausgeht: Jenson Button wird seine komfortable Führung behalten. Daran würden auch heiß ersehnte Erfolge von BMW oder Ferrari vorerst nichts ändern. Aber die Saison ist lang und das Unvorhersehbare gehört in der Formel 1 zur Normalität.
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